Summary

Story

Unter einem lauten Donnern fällt das große Tor hinter mir zurück ins Schloss.

Ich blicke mich um.

Es liegt ein feiner Staub in der Luft und der Geruch von Moder und altem Holz.

Eigentlich gar nicht schlecht.

Langsam bewege ich mich über das Parkett und mittlerweile nutze ich meinen Gehstock nicht mehr als Stütze, zumindest nicht für meinen Bewegungsapparat.

Mein Blick wandert die Wände hoch, über die Galerie bis hin zur Decke. Es ist mir bei unserem ersten Besuch nicht aufgefallen. Eine aufwändige Glasdecke lässt tatsächlich das trübe Licht des Raumhafens in die Eingangshalle fallen. Ich fühle die Kühle die mit einem Mal vom Griff meines Gehstockes ausgeht.

“Sie sind schon hier.”

Ich nicke der vertrauten Stimme zu.

“Sie ebenfalls, wie ich sehe.”

“Ich muss gestehen, dass ich mich in der Akademie zwar durchaus wohl fühle, aber die Studenten mehr als aufdringlich geworden sind. Das war zu meiner Zeit noch anders. Da hatte man Respekt!”

Ich nicke dem Geist nur zu, der nun langsam von der Galerie heruntergeschwebt kommt.

“Ihr Kollege und die Professorin kommen ebenfalls?”

Ich nicke.

“Davon gehe ich aus. Aber um ehrlich zu sein habe ich gehofft Sie zuerst alleine anzutreffen.”

Polymeropulos runzelt die Stirn.

“Mich?”

“Ich wollte mich bei Ihnen entschuldigen, wohl wissend, dass es nichts ändert.”

Unsere Blicke treffen sich und der Geist schwebt weiter auf den Boden zu, ehe er direkt neben mir verharrt, als würde er neben mir stehen.

“Herr Kant, Sie sind Werkzeug einer grauenvollen Tat geworden. Ich kenne die Höllenfürsten und ihre Schergen, wenn überhaupt, hätten bei mir die Alarmglocken läuten müssen. Spätestens als wir die Alba Domina im Grab von König Salomon angetroffen haben.”

Ich runzle die Stirn.

“Ich frage mich seither: Hätte ich es verhindern können? Bin ich ein so einfach zu führendes Werkzeug? Womöglich sogar durch meine besondere Verbindung zu den Echos?”

Der Geist wippt mit dem Kopf.

“Es unterstreicht Ihren Charakter, dass Sie so denken. Doch es sei Ihnen versichert, so aufgebracht ich auch gewesen sein mochte, dass Sie es nicht verhindern hätten können. Die Diener der Hölle sind voller List und Versuchungen. Es ist unmöglich ihnen Stand zu halten, insbesondere, wenn man ihr Wesen nicht kennt.”

Ich atme langsam aus.

“Danke Ihnen Herr Polymeropulos.”

“Das bedeutet allerdings auch, dass ich nicht so schnell wieder verschwinden kann. Wir haben eine Mission.”

Ich nicke.

“Die haben wir in der Tat.”

Plötzlich höre ich hinter mir ein Quietschen und ein Lichtkegel fällt durch die sich öffnende Tür.

“Sie sind schon da?”

Höre ich die kalmierende Stimme meines Kollegens, während zwei Figuren durch die Tür treten.

“Wie geht es Ihnen, Herr Kant?”

Wendet sich die Audiatorin sofort an mich.

“Besser.”

“Das ist gut zu hören. Und Ihnen Herr Polymeropulos?”

“Besser.”

Leya Kor bleibt neben uns stehen und blickt uns an.

“Gut, das hört sich gut an. Sagen Sie Herr Polymeropulos, haben Sie vielleicht einen Sitzplatz für uns in Ihrem Anwesen?”

Der Geist nickt sofort.

“Folgen Sie mir in den Salon.”

Damit weist uns Merakor den Weg in ein großes Zimmer, ebenfalls im Erdgeschoß des Anwesens. Große Fenster lassen Licht vom Raumhafen hereinfallen und in der Mitte findet sich eine Sitzgruppe mit einem niedrigen Tisch wieder. Als wir uns auf die alten Polstermöbel niederlassen wirbeln wir drei massive Staubmassen auf, die sich jetzt in der Luft verteilen.

“Hier gehört definitiv einmal abgestaubt…”

Meldet sich Barres zu Wort, der sofort zu husten beginnt.

“Entschuldigen Sie die Unordnung, ich war die letzten 240 Jahre verhindert.”

Gibt Polymeropulos trocken zurück.

“Ich wollte Sie nicht… Entschuldigen Sie.”

“Zunächst möchte ich mich bei Ihnen für das Erscheinen bedanken. Es ist gut zu wissen, dass meine Stimme, obgleich sie nun geisterhaft wirken mag, immer noch Gehör findet.”

Beginnt Merakor.

“Nachdem Sie drei dabei gewesen sind, möchte ich es dennoch noch einmal ganz deutlich aussprechen: Wir haben eben jenen verheerenden Zustand wiederhergestellt, den ich als mein Lebenswerk ausgeschaltet hatte. Die Konvergenz von Gehenna.”

Ich wende meinen Blick sofort zu Boden.

“Nun stellt sich Ihnen natürlich die Frage, was dass denn genau bedeuten soll und ich kann Ihnen versichern… nichts Gutes. Mit der Wiederherstellung der Konvergenz stehe die Tore in die neun Kreise wieder offen und erlauben es den Dienern der Hölle auf geradem Wege in unsere Welt hinüberzutreten.”

Leya Kor nickt.

“Es handelt sich genau genommen, um die natürliche Brücke zwischen der, wie wir sie nennen, Infernal Plane und unserer Material Plane. Anmerken möchte ich an dieser Stelle allerdings auch, dass sie vor der Auflösung der Konvergenz von Gehenna durch Sie, Herr Polymeropulos, Jahrtausende lang offen stand.”

Der Geist wippt mit dem Kopf.

“Natürliche nehme ich den Titel, der Erste gewesen zu sein, der die Konvergenz zerstören konnte, mit großer Demut an. Ich hatte viele Unterstützer auf meinem Weg.”

“Was passiert jetzt? Was müssen wir ab jetzt erwarten?”

Meldet sich Barres leise.

Unsere Blicke wandern zu Merakor hinüber, der langsam das Wort ergreift, während er durch den Raum schwebt.

“Mit der Wiederausrichtung der Ebenen können Kreaturen beider Seiten in beide Richtungen ohne große Aufwendungen passieren. Kleine Formeln oder Rituale reichen und ein Übergang kann hergestellt werden. Selbstverständlich, werden auch beide Seiten von der wiederhergestellten Konvergenz mitbekommen und sie zu nutzen versuchen. Beschwörungen und Besessenheiten werden zunehmen. Fälle werden sich mehren die auf kein irdisches Phänomen zurückzuführen sind. Und es wird hauptsächlich Falano treffen. Denn hier soll es sich ja nach wie vor befinden, das Grimoire von Warin Walaux.”

“Wie Motten ins Licht…”