Summary

Nellächeh hif Polymeropulos Merakor, wiri lifind eg archai lifind

Story

“Wie haben Sie diesen Ort gefunden?”

Sin blickt mich mit hochgezogenen Augenbrauen an.

Ich werfe nur einen Blick zu Leya Kor, die mir ruhig zunickt.

“Das ist eine längere Geschichte, jedenfalls vermute ich, dass es sich hier um das Grabmal von König Salomon handelt.”

Die Audiatorin untersucht das Portal oder das was davon übrig ist.

“Ich kann nicht sehr viel davon entziffern, eigentlich überhaupt nichts, um ehrlich zu sein. Aber zumindest ist es unser bester Ansatzpunkt und der Weg führt nach unten, ich vermute so findet man Gräber auf Terra.”

Ich blicke zu Barres hinüber.

“Geht es Sean?”

Barres nickt mir nur knapp zu.

“Sie kennen meine Einstellung zum Thema Gräber. Aber wir sind genau dafür hier… Oder nicht?”

“Dann lassen Sie uns den König fragen.”

Ich trete die ersten Stufen nach unten, soweit ich noch etwas sehen kann, dann halte ich kurz inne.

“Elehi.”

Ein kleines Licht erscheint vor mir.

„El leami.“

Und es gleitet langsam vor mir in die Tiefe und wir folgen ihm mit vorsichtigen Schritten. Die Stufen haben ohne jeden Zweifel schon bessere Tage gesehen. Aber das lässt sich vermutlich über die gesamte Ruinenstadt sagen.

Die Luft um uns herum wird immer kälter und langsam bildet mein Atem bei jedem Zug kleine Wölkchen aus.

“Wie weit geht es noch hinunter?”

Will Leya Kor hinter mir wissen.

“Sehen sie schon ein Ende?”

Ich schüttle den Kopf.

“Ich habe keine Ahnung, offensichtlich handelt es sich um ein ausgesprochen tiefes Grab.”

“Denken Sie es gibt einen Grund dafür?”

Flüstert mir Barres ins Ohr, der direkt hinter mir geht.

“Was meinen Sie, Sean?”

“Ich habe mal in einem Artikel gelesen, dass tiefe Nekropolen und Katakomben als eine Art Gefängnis gegraben wurden, zumindest in manchen Kulturen von Terra. Glauben Sie, dass dieser König, und ich habe keine Ahnung, aber irgendwie gefährlich sein könnte?”

Ich wippe mit dem Kopf.

“Naldor?”

“Ich kann es Ihnen ehrlich nicht sagen, Sean. Liebend gerne würde ich behaupten, dass überhaupt nichts passieren kann, aber ich kenne nur die Geschichten über Salomon und die sind… alt.”

“Möge uns jede Gottheit beistehen, die uns beistehen kann.”

“Machen Sie sich keine Sorgen, ich sehe es als meine Aufgabe, Sie gesund und munter zu Wai zurückzubringen. Und…”

Ich halte kurz inne und schlucke.

“Danke, Sean. Danke, dass Sie hier sind und mir helfen.”

Barres legt eine Hand auf meine Schulter.

“Immer.”

Ein tiefes Gefühl der Wärme durchströmt meine Brust.

Wir gehen noch mindestens fünfzehn Minuten weiter in den Abgrund hinunter, ehe mein Licht an einer Wand zum Stehen kommt.

“Wir sind unten.”

Gebe ich hinter mich zurück.

Ich blicke mich um und erkenne einen Korridor mit erstaunlich aufwändigen Ziersäulen und Gravuren an den Wänden dazwischen.

Die Professorin untersucht eine der Säulen, während sich Polymeropulos zu ihr gesinnt.

“Dieser Ort muss uralt sein.”

Der Geist nickt.

“Ein Grabmal für einen König der verehrt und gefürchtet zugleich wurde. Ohne jeden Zweifel.”

Die Professorin hat ebenfalls ein Licht beschworen und untersucht die einzelnen Gravuren an den Wänden, die kunstvoll zu Bildern ausgearbeitet zu sein scheinen.

“Sie stellen seine Reise dar. Die Reise von König Salomon.”

Erklärt sie.

“Was ist das hier? Das scheint wichtig zu sein.”

Meldet sich Barres zu uns. Er steht vor einem Bild das ein großes Gebäude zeigt vor dem sich unzählige Personen versammelt haben.

“Der erste Tempel für das Judentum, den der König bauen lies. Unvorstellbar… ich wusste nicht, dass es davon Abbildungen aus jener Zeit gibt.”

Der Geist blickt das Bild mit geweiteten Augen an.

“Herr Kant, um es einmal in aller Deutlichkeit gesagt zu haben. Ich war anfangs nicht begeistert davon, dass Sie mich aus meinem wohlverdienten Schlaf geholten haben. Aber ich kann Ihnen nicht sagen, wie dankbar ich für diese Eindrücke bin. Das hätte ich nicht zu träumen gewagt. Wir stehen tatsächlich im Grabmal des größten Meisters der Dämonen, vor meiner Zeit. Mir würde es eiskalt den Rücken hinunterlaufen, aber das scheint wohl auch nicht mehr zu funktionieren.”

Sin Lik steht vor uns im Gang und blickt uns aus schmalen Augen an.

“Bitte, können wir? Sie meinten wir könnten die Alba Domina unter Umständen hier finden, wir sollten uns unbedingt beeilen. Bitte!”

Ich nicke Sin zu.

“Sie haben recht, lassen Sie uns weitergehen. Je eher wir am Grab sind, desto eher können wir feststellen wo ihre Freundin hingebracht wurde, hoffentlich.”

Merakor nickt.

“Das Universum. Oft denkt man sich, dass es verworrener nicht sein kann und dann erkennt man, es ist alles in einer unfehlbaren Ordnung.”

Wir kommen den Korridor entlang, der zusätzlich abfallen zu scheint. Schließlich driftet mein Licht aus dem Gang in eine große Kammer und hüllt alles um uns in einen sachten blauen Schein. Ich bleibe stehen und bemerke, dass vor uns eine weitere Treppe nach unten auf den Grund der Kammer führt.

“Das ist unvorstellbar…”

Kommt es der Audiatorin aus. Während sie ihrem Licht befiehlt durch die Kammer zu gleiten und jeden Teil einmal auszuleuchten. Die Höhle könnte natürlichen Ursprungs sein, vielleicht eine alte Magmakammer. Nicht nur unsere Treppe scheint in die unterirdische Halle zu führen, ich sehe mindest drei weitere Stufen, die von aus dem Fels geschlagenen Gebäuden herunterführen und in der Mitte zu einem kleinen Pavillon zusammenlaufen.

Die Professorin murmelt etwas und mit einem mal verstärkt sich die Leuchtkraft ihres Lichts und die gesamte Kammer wird ausgeleuchtet.

“Ist das da unten das Grab?”

Runzelt Barres die Stirn, während Polymeropulos bereits nach unten gleitet und den Pavillon zu untersuchen beginnt.

“Bitte, Herr Polymeropulos warten Sie auf mich!”

Ruft die Professorin dem Geist hinterher.

“Haben Sie keine Sorge, ich kenne mich auf diesem Gebiet bestens aus!”

Kommt vom Pavillon zurück.

Barres wirft mir einen unsicheren Blick zu, den ich abnicke.

“Lassen Sie uns runtergehen.”

Wir steigen die letzten Stufen hinunter und finden uns auf einem gepflasterten Platz wieder. Wobei es sich um eine rein optische Komponente zu handeln scheint, es kann hier kaum nötig gewesen sein ein Pflaster zu legen, angesichts des massiven Steins der uns umgibt.

“So etwas habe ich noch nie in meinem Leben gesehen…”

Beginnt Merakor, der sich irgendwo oben beim Pavillon zu schaffen macht.

“Was sehen Sie?”

Rufe ich ihm zu. Ich merke wie sich meine Hand um meinen Stock verkrampft, immer mehr, je näher wir dem Zentrum kommen. Ich kneife die Augen zusammen.

“Ist es sein Grab?”

“Häm…”

Ich versuche weiterhin einen Fuß vor den anderen zu setzen. Barres bemerkt, wie es mir Kraft zu kosten scheint.

“Geht es Ihnen gut, Naldor?”

Ich nicke nur knapp, während ich mich weiterhin an Polymeropulos gewendet halte.

“Haben Sie einen Hinweis gefunden, dass es sein Grab ist?”

Wir steigen die Treppen zum leicht erhöhten Pavillon hinauf und finden den Geist, der vor einer goldenen Plankette wie festgefroren scheint.

Die Professorin tritt ebenfalls an die Plankette heran.

“Bei den Häusern…”

“Was?”

Kommt es mir aus, während ich Mühe habe mich auf den Beinen zu halten.

Die Audiatorin dreht sich zu uns um und blickt uns mit großen Augen an.

“Das hier ist nicht das Grabmahl von Salomon.”

Sie schluckt merklich.

“Die Sprache die hier geschrieben steht ist sumerisch. Das ist das Grabmal des ersten Königs der Menschheit…”

Barres blickt Kor mit offenem Mund an.

“Den Inschriften zufolge liegt hier… König Gilgamesh.”

Polymeropulos schüttelt den Kopf.

“Nein, das kann nicht korrekt sein. Gilgamesh regierte Uruk in Mesopotamien, niemals in Jerusalem. Die Inschriften sind falsch. Sie müssen falsch sein… Es geht gegen alles, was wir über die frühen Menschenkönige gelernt haben…”

Die Audiatorin versucht weitere Inschriften auf dem Grabmal zu entziffern.

“Die Geschichten, sie sind vermischt. Fast so als…”

Sie tritt einen Schritt zurück und blickt Merakor direkt in die Augen.

“Fast, als ob es dieselbe Person gewesen ist.”