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Story
“Was ist mit ihm passiert?”
“Er hat irgendwie die Kreise ausgerichtet. Mein gesamtes Lebenswerk ist wortwörtlich beim Teufel!”
“Naldor? Können Sie mich hören?”
Barres beugt sich zu mir, während ich langsam meine Augen wieder öffne und versuche mich aufzusetzen.
“Was ist mit Ihnen passiert?”
Ich schüttle nur den Kopf.
“Ich habe keine Ahnung. Ich fühle mich erschlagen.”
“Bei der Asche von Ur, was haben Sie nur getan…”
Merakor blickt mich fassungslos an.
“Sie haben mich angewiesen, ich habe…”
Ich fühle wie mir meine Kraft weiter entgleitet.
“Lassen Sie ihn!”
Weißt Sean den Geist zurück.
Die Audiatorin beugt sich nun ebenfalls zu mir und murmelt einige Wort, die ich nicht verstehen kann.
“Zumindest etwas.”
Sie nickt Barres zu.
“Dann war unsere Reise nicht umsonst?”
Die Audiatorin nickt und lächelt mich an, während sie mir mit der Hand über die Wange fährt.
Es ist als würde ich alles durch einen Filter fühlen, durch einen Schleier sehen, als stünde ich etwas neben mir und würde nur beobachten.
“Aber zu welchem Preis.”
Polymeropulos senkt den Blick auf den verwitterten Stein.
“Dieser Ort sollte nicht mehr existieren!”
Plötzlich fühle ich die Luft um uns herum zittern, während aus der Essenz von Merakor ein mächtiger Strahl von purer Energie auf den Stein niedergeht und ihn unter einem lauten Donnern aufsprengt.
Leya Kor springt sofort auf.
“Was denken Sie sich eigentlich! Glauben Sie allen ernstes das Zerstören alter Artefakte bezweckt etwas außer den Verlust von wertvollen Informationen, die daraus hätten gewonnen werden können? Beruhigen Sie sich und hören Sie unverzüglich damit auf!”
Ich habe die Audiatorin noch nie so in Rage erlebt.
Polymeropulos’ Leuchten wird dunkler, während er seinen Gefühlsausbruch wieder unter Kontrolle bringt.
“Sie verstehen doch, es war mein Lebenswerk…”
“Und dennoch ist nichts anderes geschehen, als dass die Kreise wieder in ihrer ursprünglichen natürlichen Ordnung stehen, oder täusche ich mich? Sie waren immer ein Teil des Ganzen.”
Erwidert die die Professorin dem Geist.
“Sie sind schlecht, die Dämonen. Sie haben kein Recht auf der Material Plane zu wandeln.”
“Ich habe nicht das geringste Interesse daran, dass sie es tun, bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Dennoch ist es zu akzeptieren, dass es unausweichlich war. Die Kreise hätten sich wieder ausgerichtet, so oder so.”
Polymeropulos schüttelt vehement den Kopf.
“Das können Sie nicht wissen.”
“Dann erklären Sie mir, wie der Dämon in unsere Welt gekommen ist, ohne die Ausrichtung?”
Der Geist runzelt die Stirn.
“Das,… das kann er nicht,… er muss schon da gewesen sein.”
Die Audiatorin wirft Polymeropulos einen abschätzigen Blick zu.
“Sie glauben allen Ernstes, dass sich ein Dämon dieses Charakters über 250 Jahre hinweg versteckt halten konnte?”
“War er es denn?”
Die Audiatorin runzelt die Stirn.
“War er versteckt?”, bohrt Polymeropulos weiter nach, “Oder hat man einfach nichts gemacht, weil man nicht mehr davon ausgegangen ist, dass es sie nach wie vor geben könnte und sie gebannt werden müssten?”
Jetzt wendet die Professorin ihren Blick zu dem zerstörten Stein.
“Eventuell, und ich sage nicht, dass es so ist, haben Sie Recht.”
Plötzlich hören wir das schreien aufheulender Sirenen.
“Das ist kein gutes Zeichen, die Armee von Jerusalem!”, meldet sich Sin Lik zu Wort, “Schnell, wir müssen uns verstecken.”
Sin und Sean nehmen meine Arme und packen mich auf ihre Schultern. Wir bewegen uns auf einen felsigen Höhleneingang zu. Hinter einem größeren Steinbrocken setzen sie mich ab.
“Wir müssen abwarten, bis sie weg sind, dann müssen wir uns einen Weg zurück nach Neu-Kairo suchen.”
“Das wird wohl keine einfache Aufgabe werden, angesichts der Temperaturen, feindseligen Gesellen und der langen Distanz durch Sand und Staub.”
Merkt Sean an und ich nicke ihm zu.
“Eine andere Option bleibt uns nicht.”
Erwidert die Professorin.
Vielleicht ja doch.
Ich konzentriere mich und versuche mit den Vocem Noctis eine Verbindung herzustellen.
Der Griff meines Stockes wird eiskalt, während eine sanfte Stimme mit mir zu sprechen beginnt.
“Was macht ihr hier? Ist es sicher draußen?”
Ich schüttle instinktiv den Kopf.
“Wir verstecken uns, wir müssen zurück nach Neu-Kairo, aber wir sehen keinen Weg.”
Plötzlich erahne ich Konturen einer Person, die immer stärker werden und sich schließlich ähnlich stark wie Polymeropulos’ Präsenz manifestieren. Es ist ein alter Mann.
“Ich kenne diese Barbaren von denen Sie sprechen. Fürchterliche Fanatiker, die die gesamte Region hier entehren. Es sollte ein Ort der Zusammenkunft und des Friedens sein… Zumindest nach den Lehren die ich genossen habe.”
Ich nicke dem Mann zu.
“Kommen Sie hier hinüber, bitte.”
Der Mann deutet mir an, ihm tiefer in die Höhle zu folgen.
Wir kommen in einen kleinen Höhlenraum. Relativ gut eingerichtet. Ein Tisch, Stühle, Regale einige alte Computer und Generatoren. Während ich weiter durch den Raum streife bemerke ich zusätzlich einige Holzspielzeuge, die am Boden verstreut liegen. Es wirkt hastig verlassen.
Der Geist geht strickt auf ein massiv wirkendes Regal zu. und bleibt schließlich davor stehen.
“Was ist hier passiert? Haben Sie hier gewohnt?”
Der Geist zuckt mit den Schultern.
“‘Gewohnt’ ist ein großes Wort, aber ja, im Grunde glaube ich, dass man es so bezeichnen könnte”, er zögert kurz, “Wir haben hier gewohnt.”
“Was ist passiert?”
Der Geist erwidert nichts. Er deutet nur auf ein durchtrenntes Seil, das neben dem Regal herunterhängt. Ich folge dem anderen Teil des Seils und stelle fest, dass es an einem Punkt im Fels verschwindet.
Ich konzentriere mich weiter und plötzlich merke ich, wie mehrere Geister um mich eilen. Ein kleiner Junge, eine Dame, die offensichtlich kein Mensch war und der Mann.
“Schnell, Jakob, sie müssen gleich hier sein, wenn sie mich entdecken, sind wir tot.”
Der Mann zieht an einem versteckten Hebel und ich höre das Regal am Boden dahinschaben.
Ein Versteck also.
Dann höre ich laute Stimmen, die durch die Höhle hallen, ich zucke instinktiv zusammen, obwohl ich weiß, dass es nur Echos sind.
Dann erneut das Schaben und kurze Stille. Einige Worte fallen und ein Spielzeug, dass ein Geräusch von sich gibt. Mehr Worte. Das Schnalzen eines Mechanismus. Stille. Weinen. Aus.
Ich kann mich nicht bewegen. Mein Hals trocknet aus, meine Atmung wird flach und ich spüre, wie mir heiße Tränen in die Augen steigen.
Dann sehe ich wieder den Geist alleine vor mir.
“Sie haben euch…”
Der Geist nickt.
“Am nächsten Tag wären wir fort gewesen. Aber sie haben uns gefunden, weil ich unbedingt doch eine Gleiterbatterie und keine herkömmliche kaufen wollte. Wo doch niemand hier einen Gleiter hatte…”
“Es…”, meine Stimme hört sich ganz dünn an und ich fühle, wie mich die anderen Mustern, ich habe keine Ahnung, ob sie sehen und hören, was ich sehe und höre, “Tut mir unendlich leid.”
Tränen rollen über meine Wangen und meine rechte Hand versucht sich stärker am Griff meines Stockes festzuklammern.
Der Geist tritt näher an mich heran.
“Ich sehe, dass ihr gute Leute seid. Öffnet das Versteck, nehmt den Schlüssel für meinen Gleiter aus meiner rechten Tasche und flieht, so lange ihr noch könnt.”
Ich nicke dem Geist zu.
“Können wir für euch irgendetwas tun?”
Jakob nickt.
“Bitte zündet die ganze Höhle an, wenn ihr aufbrecht. Ich und meine Familie, wir sollen ewigen Frieden haben.”
Meine linke Hand versucht instinktiv seine rechte Schulter zu fassen, aber ich greife ins Leere.
Der Geist bemerkt meinen Versuch und ich spüre plötzlich einen kühlen Hauch auf meiner Schulter, während er seine Hand auf mir platziert.
“Ich danke euch…”
Dann verschwindet das Echo und ich bemerke, dass die anderen bereits den Raum durchsuchen und Leya Kor neben mir steht und mich besorgt anblickt.
“Ein Echo?”
Ich nicke.
“Wir müssen dieses Regal verschieben.”
Die Professorin fragt mich nicht, was ich gesehen habe. Sie murmelt einige Worte und hebt die rechte Hand. Mit einer sauberen Geste wird das Regal verschoben und legt den Blick in eine kleine enge Kammer frei. Darin die Überreste von drei Personen. Zwei Erwachsene und ein Kind.
Langsam trete ich an die Überreste heran, sie sind schon lange hier, kein Fleisch ist mehr an den Knochen. Ich fasse in die rechte Tasche einer Erwachsenen Leiche und bekomme den Schlüssel zu fassen. Ich nehme ihn an mich und trete andächtig von den Überresten zurück.
Die Audiatorin runzelt die Stirn.
“Er gibt uns seinen Gleiter für die Heimreise.”
“Das ist sehr gütig.”
Dann hören wir auch schon Barres mit schnellen Schritten zu uns kommen.
“Dort hinten haben wir einen Gleiter entdeckt, vielleicht können wir ihn zum Laufen bringen wenn wir…”, Ich halte ihm den Schlüssel entgegen, “den Schlüssel finden… Das sollte passen.”
Sein Blick streift nur die Überreste hinter dem Regel. Ich glaube er spricht uns bewusst nicht darauf an. Diese ganze Reise war für uns alle unsagbar beschwerlich.
Wir gehen alle zu dem Gleiter hinüber und innerhalb kurzer Zeit springt er an. Einer der Generatoren funktioniert auch noch und wir können die Batterie des Gefährts laden.
Schließlich fahren wir mit ihm aus der Höhle und während wir nach draußen gleiten kommt ein einziges Wort von meinen Lippen.
“Ure.”
Ein feiner Funken fährt in die Höhle zurück und wir ohne jeden Zweifel in Kürze ein massives Feuer verursachen.
Wieder fühle ich einen kühlen Hauch an meiner Schulter, während Barres den Gleiter beschleunigt und wir über die Hügel hinwegdüsen, während hinter uns langsam eine Rauchsäule entsteht und ohne jeden Zweifel die volle Aufmerksamkeit der Armee von Jerusalem auf sich zieht.