Summary

Story

“Und was jetzt? Wir haben weder Salomon noch Gilgamesh noch seinen Sarkophag noch sonst irgendetwas it dem wir arbeiten könnten. Schlimmer noch, wir haben nur die sterblichen Überreste von Sin Liks Freundin bergen können.”

Beginnt Barres in unsere Runde gerichtet.

Wir haben Lahmi aus dem Grabmahl heraufgetragen und Sin Lik ist gerade dabei ein Totenritual für sie vorzubereiten, während wir uns in einem Kreis in der ehemaligen Sakristei der Kirche zusammengefunden haben.

Die Audiatorin zuckt mit den Schultern.

“Ehrlicherweise habe ich keine Idee. Vielleicht sollten wir nach Falano zurückkehren und von dort aus unsere nächste Schritte planen. Und Ihnen geht es ganz und gar nicht gut, Herr Kant.”

Ich schüttle nur den Kopf, während ich versuche nicht nach hinten wegzusacken, angesichts meiner übermächtigenden Müdigkeit.

“Ich kehre nicht in den Raumhafen zurück. Nicht mit diesem Monster in mir. Es ist zu gefährlich.”

Sean schüttelt ebenfalls den Kopf.

“Sie haben doch gesagt, dass es immer mehr Wege geben muss, richtig Frau Professor?”

Leya Kor nickt.

“Er muss sich uns nur offenbaren.”

Plötzlich tritt eine Gestalt durch den Türrahmen in unseren Raum.

“Die Sonne geht bald wieder auf… Würdet ihr mir…”, seine Stimme bricht kurz ab, “Würdet ihr mir helfen, Lahmi die letzte Ehre zu erweisen?”

Die Audiatorin eilt sofort zu ihm und hängt sich in seinen Arm ein.

“Aber selbstverständlich Herr Sik. Es ist uns eine außerordentliche Ehre.”

Damit erheben wir uns alle und folgen dem Melranier in das Kirchenschiff mit dem eingestürzten Dach. In der Mitte hat er einen Haufen aus Steinen aufgetürmt und ihren Körper darauf aufgebahrt. Es wirkt als würde sie einem Embryo im Mutterleib gleich, ruhig schlafen und jeden Augenblick zu treten beginnen.

Sin Lik tritt an sie heran und wir platzieren uns in einem Halbkreis um ihn herum.

Er räuspert sich.

“Meine Liebe…”

Er bricht ab. Er öffnet den Mund und kein Ton kommt mehr über seine Lippen. Er zittert.

Leya Kor tritt an ihn heran und umarmt ihn.

Ein leises Schluchzen tritt aus seinen Lungen, während Polymeropulos den Platz von Sin Lik einnimmt.

“Viel zu früh und im ewigen Antlitz allen Seins…”

Ich lausche den Worten von Polyperopulos, während meine Gedanken abtriften.

Wir haben es so weit geschafft, sind bis nach Bethlehem gekommen, haben das Grabmal gefunden… und jetzt? Es muss noch mehr geben. Das hier ist eine so zentrale Stelle sämtlicher großer terranischer Religionen. Das muss doch etwas zu bedeuten haben.

“Naldor.”

Ich blicke mich um.

“Naaldor.”

Wer? Ich blicke weiter um mich. Aber da ist niemand.

“NALDOR!”

Ich zucke zusammen, als mir jemand Unsichtbares ins Ohr brüllt.

“Sie glaubt sie kann mich unter Verschluss halten. Es wird ihr aber nicht gelingen. Keiner der weißen Damen…”

Mir stellt es die Haare im Genick auf, während mir die Stimme ins Ohr flüstert.

“Ich bin da unten. Komm zu mir und ich nehme dir die Last von den Schultern. Sei wieder frei. Sei wieder… alleine.”

Ein seltsamer Wind umweht mich und zieht an meiner Wange vorbei durch einen Torbogen an der Seite des Kirchenschiffs. Ich sehe wie feiner Staub mitgetragen wird.

Was war das? Wer war das?

“… Leben wird sie für immer in denen die sie geliebt hat und die sie geliebt haben. Amen.”

Polymeropulos schwebt wieder zu uns auf die Seite und Sin Lik nimmt zitternd ein kleines Fläschchen von seinem Gürtel. Er öffnet es und leert einige Tröpfchen von einer Flüssigkeit auf seine Fingerspitzen. Unter stummen Tränen zeichnet er einige Symbole auf die Stirn seiner Geliebten.

Er tritt zurück und kniet sich auf den Boden.

Wir tun es ihm gleich.

Er spricht einige Wörter in der Sprache der Melranier.

Ich vernehme ein leises Knistern. Als ich kurz aufblicke bemerke ich wie der Körper der jungen Frau zu Glühen beginnt und in kleine Partikel zerfällt und jedes einzelne davon langsam gen Himmel weggetragen wird.

Wir bleiben noch einige weitere Moment im Kirchenschiff bei dem selbstgebauten Altar von Sin versammelt, ehe ich mich schließlich setzen muss.

“Herr Kant, wie geht es Ihnen?”

Wendet sich die Professorin an mich.

Ich schüttle nur den Kopf, während ich mich mit meiner rechten Hand auf meinem Knie abstütze und verkrampft Luft in meine Lungen sauge.

“Es geht.”

Die Audiatorin nickt, während sie mich mit einem durchdringenden Blick mustert.

“Sie haben etwas herausgefunden? Irgendetwas, das sehe ich Ihnen an. Wollen Sie es mit mir teilen?”

Ich ziehe die Augenbrauen hoch.

“Ich weiß nicht, Frau Professor. Es ist mir kaum möglich einen klaren Gedanken zu fassen…”

“Was haben sie gesehen, Herr Kant?”

“Einen Weg. Er beginnt dort vorne…”, ich deute auf den Durchgang, der jetzt Windstill vor uns eine Öffnung in die Wand reißt, “den Hang bergab. Unter zwei Palmen steht ein Altar. Dort.”

Frau Kor hebt überrascht die Augenbrauen.

“Was versprechen Sie sich von diesem Altar? Denken Sie, wir können Ihren Dämon damit binden?”

Ich zucke mit den Schultern.

“Er ist aus der alten Welt. Ich habe keine Ahnung wozu die Menschen dereinst in der Lage waren.”

Die Audiatorin nickt, während sie weiterhin die Augen zusammenkneift.

“Die Menschen in dieser Region waren in jenen Zeiten ständig von Dämonen geplagt. Sie gehörte zu ihrem alltäglichen Leben dazu. Es macht Sinn, hätten sie einen Ort etabliert der es ihnen ermöglicht sie schnell wieder loszuwerden.”

Ich blicke die Professorin nur stumm an, während sie ihren Blick über den Rest der Gruppe schweifen lässt.

“Lassen Sie uns diesen Altar begutachten. Geben wir ihnen etwas mehr Zeit sich um Sin Lik zu kümmern. Sie meinten es sei nur den Hang hinunter, richtig?”

Ich nicke.

“Dann lassen Sie uns rasch gehen.”