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Summary
Story
“Das macht keinen Sinn… Gilgamesh starb weit vor Salomon, weit bevor Jerusalem überhaupt gegründet worden ist.”
Die Audiatorin runzelt die Stirn, während sie weiter versucht noch mehr der alten Inschriften zu entschlüsseln.
“Es sei denn es ist ihm gelungen, oder?”
Ich werfe Barres einen überraschten Blick zu als er sich zu Wort meldet.
“Was meinen Sie, Sean?”
Barres scheint angesichts unserer Aufmerksamkeit die jetzt auf ihn gerichtet ist, mehr als überrascht.
“Na, dass er ihn gefunden hat.”
Ich blicke ihn weiter ratlos an.
“Das Gilgamesh Epos. Das ist doch nicht möglich, dass alleine ich es gelesen habe.”
Die Audiatorin nickt plötzlich.
“Gilgamesh war der erste König der Menschen und am Gipfel seiner Macht gab es nur noch eines für Ihn zu erreichen… die Möglichkeit sein Reich länger regieren zu können und dem Verlauf der Zeit zu trotzen.”
Ich runzle die Stirn.
“Sie reden von Unsterblichkeit?”
Barres nickt.
“Aber das würde dann ja bedeuten…”
Ich kann meinen Satz nicht zu Ende führen als plötzlich ein sehr leises, aber klares, Kratzen durch die Höhle hallt.
Unsere Blicke wandern zu dem Sakrophag.
“Das ist doch nicht möglich oder?”
Beginnt Barres, während er schluckt.
Die Audiatorin schüttelt den Kopf als selbst ihr Unglauben ins Gesicht geschrieben steht.
“Sie haben Recht, Herr Barres…”
Sean wendet sich mit gehobenen Augenbrauen an Leya Kor.
“Das ist keine normale Gruft…”
Mir läuft ein Schauer über den Rücken als die Professorin ausspricht, was wir mittlerweile alle vermuten.
“Diese Gruft ist ein Gefängnis. Und nicht im übertragenen Sinne. Er liegt hier. Lebendig begraben. Dazu verdammt für immer an der Innenseite seines steinernen Grabes zu kratzen. Der erste König der Menschen.”
Plötzlich wird die gesamte Höhle von einem gleißenden Licht durchflutet und ich muss meine Augen schließen. Als ich sie wieder öffne sehe ich eine Gestalt vor uns stehen.
Eine Dame.
Vollkommen in weiße Roben gehüllt.
Alba Domina.
Wir starren sie mit großen Augen an, während ihre Stimme durch die Höhle hallt, ohne, dass sie ihre Lippen bewegt.
“Ihr seid in die ewige Grabstätte des blasphemischen Gilgameshs unerlaubt eingedrungen. Einem Ort, den selbst Gott verlassen hat. Sprecht, warum?”
Die Professorin tritt vor und deutet insbesondere Polymeropulos an, sich nicht einzumischen.
“Wir sind hierhergekommen, um jenen Mann um Hilfe zu bitten, der dereinst die Macht besessen hat, um Dämonen in die Flucht zu schlagen. Wir sind auf der Suche nach König Salomon und wollen ihn um Rat bitten.”
Ein lautes Donnern dröhnt durch die Luft.
“Niemandem ist es gestattet mit dem Lästerer der göttlichen Regeln zu sprechen. Ich fürchte euer Weg war umsonst.”
Ich versuche mich, meinen Stock fest umklammernd, etwas nach vorne zu bewegen.
“Ihr seid Jacqueline Pierrôt, richtig?”
Die Alba Domina wendet sich zu mir und nickt.
“Wir wissen nicht viel über Eure Art, aber ich weiß, dass Ihr eine hohe Dame der Geistlichkeit seid. Ihr helft den Armen und sorgt dafür, dass Gottes Werk geehrt bleibt. Darum bitte ich Euch als Euren zum Schutze verpflichteten, bitte helft mir den Dämon loszuwerden.”
Ich sinke vor ihr auf die Knie.
“Ich sehe ihn, Euren stillen Begleiter. Er nährt sich an Euch. Er wird sich so lange an Euren Gedanken laben, bis Ihr unter seiner Last zerbrechen werdet.”
Ich nicke.
“Deshalb brauche ich Eure Hilfe… Bitte.”
Ein kalter Hauch weht durch die Höhle unter der sandigen Wüste des Ostens.
“Es obliegt mir nicht, mich in diese Dinge einzumischen. Was auch immer in den Kreisen vor sich geht, ist von keinem Interesse für mich. Meine Aufgabe ist es, die Regeln der Alten zu bewahren und jene zu bestrafen, die sie bereitwillig brechen.”
Ihr blick fällt auf den Sakrophag.
“Aber…”
Die weiße Dame hält kurz inne und meine Augenbrauen heben sich.
“Ich kann Euch anbieten hier zu bleiben. Euch alleine. Bleibt hier und sowie Ihr die Last überstanden habt, ist er in diesen Hallen gefangen und wird kein Unheil über irgendjemand anderen bringen.”
Barres schüttelt neben mir sofort den Kopf.
“Das kann nicht der einzige Ausweg sein!”
Die Dame wendet ihren Blick zu Barres.
“Von mir aus, bleibt alle, oder geht alle, es hat für mich keine Bedeutung.”
Damit strahlt ein weiteres gleißendes Licht durch die Höhle und wir werden abermals geblendet.
Als ich die Augen wieder öffnen kann und mich umblicke sehe ich, dass der Sakrophag fort ist. Als wäre er nie hier gewesen. Und mit ihm die Alba Domina.
“Das kann nicht ihr Ernst sein! Wir sind nur für ihn hierhergekommen!”
“Beruhigen Sie sich, Herr Barres.”
Versucht die Professorin die Situation zu ordnen.
“Wie? Es war unser einziger Anhaltspunkt. Ohne Salomon oder Gilgamesh oder wen auch immer haben wir keine Chance Naldor von diesem Ding zu befreien!”
Die Audiatorin klopft Sean auf die Schulter.
“Es mag uns jetzt ausweglos erscheinen, aber ich versichere Ihnen, wir werden Ihren Kollegen befreien. Für nichts in dieser Welt gibt es nur einen einzigen Weg.”
Es berührt mich, Sean zu sehen, der sich offensichtlich Sorgen um mich macht. Es ist eine unbeschreibliche Wärme, obgleich sie die Kälte in mir nicht gänzlich zu vertreiben vermag.
“Lahmi! Oh Lahmi!”
Sin Lik?
Ich schaue mich überrascht um und sehe ihn schließlich am Rand des Platzes am Boden hocken.
Das verheißt wohl nichts Gutes.
“Und sie wird über Ihnen schweben und Sie werden ihr Andenken ehren!”
Raunt Polymeropulos durch den Raum.
Die Audiatorin wirft ihm einen unpassenden Blick zu.
“Sie ist tot. Ich habe es bemerkt, als wir aus dem Korridor getreten sind. Ich wollte sie noch fortbringen, aber in dieser Form, äußerst schwierig…”
Ich nähere mich dem Melranier langsam. Vor ihm liegt der reglose Körper einer jungen Dame mit einer ähnlichen Kopfform wie die von Sin Lik.
Er dreht sich zu mir um, Tränen laufen über seine Wangen.
“Wieso?”
Ich schüttle nur den Kopf.
“Es tut mir unendlich leid Sin.”
“Ich… ich hasse Terra!”