Summary

Story

“Wie haben Sie das gemacht?”

Wendet sich Sean an mich, während wir in der glühende Hitze der Ostwüsten einen beinahe vollkommen unbeschatteten Weg entlanggehen.

“Was meinen Sie?”

Gebe ich meinem Kollegen zurück.

Sean wirft mir einen müden Blick zu, während ich die passenden Worte suche.

“Die Vocem Noctis haben mir geholfen.”

“Das ist alles?”

Ich nicke.

“Ich bin froh, dass Sie die Stimmen in den Griff bekommen haben und der Stock steht Ihnen gut, Naldor.”

Schließlich erreichen wir die Ruine eines scheinbar ehemaligen Klosters, wenn ich die Überreste richtig interpretieren kann.

“Sie sollte ihr Lager irgendwo in den Höhlen hier haben.”

“Höhlen?”

Gibt Barres dem Melranier zurück.

“Wegen der Hitze, nur unter der Erde bleibt es einigermaßen kühl. Viele der ehemaligen Bauten in der Gegend wurden mit Tunneln ausgestattet, bis die Bauwerke über ihnen einfach zusammenfielen.”

“Etwas Abkühlung wäre in der Tat nicht schlecht.”

Merkt die Audiatorin an, während der Schweiß unter meiner Kleidung an mir hinabläuft. Widerlich. Ich kann mich nicht daran erinnern jemals einer derartigen Hitze ausgesetzt gewesen zu sein.

Wir marschieren in die Ruinen und finden schließlich einen Holzverschlag, den wir auf die Seite geben können und der uns den Weg in einen wenig einladenden Tunnel freigibt, der keineswegs einfach zu erkennen ist. Sin Lik scheint seine Freundin sehr gut zu kennen.

Wir bahnen uns einen Weg durch den Felsen und betreten eine Art Raum mit einem Lichtschacht und einigen sonderbar unpassenden Möbeln für diese natürliche Umgebung. Sin läuft sofort zu einer kleinen Bettstatt am Boden und wühlt sich durch die Laken, während ich mich weiter in dem Raum umsehe.

Alte Bilder, Spiegel, eine Standuhr, ein Kasten… Gut eingerichtet für eine Höhle unter einer Ruine, nur durch einen Holzverschlag geschützt.

“Sie scheint nicht da zu sein, oder?”

Beginnt die Audiatorin an unseren neuen Bekannten gerichtet.

Der schüttelt nur den Kopf, ehe er sich mit einer kraftlosen Bewegung auf die Laken fallen lässt.

“Vielleicht ist sie unterwegs um Besorgungen zu machen?”

Merkt Barres an.

Leya Kor schüttelt langsam den Kopf, während sie einen Zettel von einem kleinen Zustelltisch nimmt.

“Sie scheint durch etwas oder jemanden unterbrochen worden zu sein…”

Ich fühle eine breite Düsternis in diesem Raum. Sofort hole ich mein Buch heraus und beginne Einzufangen, was mir möglich ist.

“Was können Sie feststellen, Herr Kant?”

Wendet sich die Audiatorin an mich.

“Jemand hat sie unterbrochen.”

Der Melarnier springt auf und blickt mich mit großen Augen an.

“Wer? Die Armee von Jerusalem? Diese Bastarde!”

Aus welchem Grund auch immer scheint er überhaupt nicht hinterfragen zu wollen, woher ich so etwas wissen kann. Ich schüttle den Kopf.

“Nein, ich glaube nicht. Es war eine junge Frau. Sie trägt ein Kreuz an ihrer Kette… aber…”

Die Professorin zieht die Augenbrauen hoch.

“Aber?”

Ich runzle irritiert die Stirn.

“Es ist verkehrt herum.”

“Was bedeutet das?”

Der Melranier blickt mich weiterhin an.

Die Audiatorin legt Sin eine Hand auf seine Schulter.

“Weder etwas Gutes noch etwas Schlechtes, aber beides wäre denkbar.”

Sin blickt Leya verwirrt an, ehe sie konkretere Worte findet.

“Das Petruskreuz. Ein Symbol sowohl der Verehrung als auch der Abkehr von Jesus Christus und damit des christlichen Glaubens. Wir können nicht sagen, was es zu bedeuten hat in diesem Kontext, aber wir wissen, es hat mit dem Christentum zu tun.”

“Und diese Frau hat sie verschleppt?”

Ich schüttle den Kopf.

“Sie ging freiwillig mit ihr.”

“Wohin?”

Ich versuche mich weiter zu konzentrieren und mehr zu erfahren, aber um mich herum verstummen die Echos. Ich wende mich an Sin und schüttle langsam den Kopf.

“Aber es muss hier doch irgendwo einen Anhaltspunkt geben, sie muss irgendwo sein!”

Alba Domina.”

Dröhnt eine Stimme durch den Raum und Merakor manifestiert sich in einer weniger transparenten Form, während der Melranier zurückschreckt.

“Was ist das?”

Der Geist blickt Sin entrüstet an.

“Sir Merakor Polymeropulos, Befreier aller Welten von der dämonischen Besessenheit, Begründer der wahren Freiheit und Erkunder der tiefsten Abgründe der Neun Kreise. Wer bin ich? Das sollte Ihnen bekannt sein, mein unwissender dummer Freund!”

“Herr Polymeropulos, ich dachte schon wir hätten Sie verloren.”

Beginnt die Audiatorin.

“Keineswegs meine Teuerste, ich bin stets zur Stelle, wenn meine Hilfe benötigt wird.”

Ich runzle die Stirn.

“Was meinen Sie mit ‘Alba Domina’, Herr Polymeropulos.”

“Ich dachte mir, dass Sie sie nicht kennen, angesichts Ihres verwirrten Blicks. Sie ist eine unsterbliche Botin, nicht gebunden an einen Kreis, sie ist frei zu wandern wohin sie auch immer muss.”

“Und was hat sie zu bedeuten?”

Bohrt die Professorin weiter nach.

“Lassen Sie es mich so formulieren: Sie erscheint nicht ohne driftigen Grund.”

“Wer schickt sie?”

“Niemand, zumindest niemand der bekannt wäre.”

“Sie kommt also von nirgendwo durch niemanden, hat aber immer einen driftigen Grund für ihr Erscheinen?”

“Exakt.”

“Und können wir herausfinden welchen Grund sie in diesem Fall hatte?”

Der Geist zuckt mit den Schultern.

“Ich wüsste nicht wie.”

Großartig.

“Die Alba Domina erscheint nur wenn sie es für nötig hält und zeigt sich auch nur wem auch immer sie will. Vielen erscheint sie niemals. Den meisten, wenn ich so darüber nachdenke.”

“Sie trägt ein Petruskreuz, wissen Sie welche Bedeutung es hat in ihrem Kontext?”

“Na ich denke, weil das alle Päpstinnen trugen.”

Was?