Summary
Barres bemerkt ein Problem mit der Klimaanlage im Taxi, während sie durch die Wüste fahren. Die Audiatorin erklärt, dass der Sonnenschutz heruntergefahren werden muss, um effektiv zu kühlen. Während der Fahrt erfahren sie von einer extremistischen Gruppe namens Armee von Jerusalem, die das Gebiet schützt. Plötzlich entdecken sie einen blinden Passagier im Taxi, einen Melranier, den der Fahrer als Parasit betrachtet. Sie machen einen Zwischenstopp, wo der Fahrer und seine Kollegen den Passagier aus dem Taxi ziehen, um ihn zu eliminieren. Kant schlägt vor, mit dem Parasiten zu kooperieren, um seine eigenen Kräfte zu verstärken und den Melranier zu retten.
Story
“Ich glaube irgendetwas mit der Klimaanlage ist nicht in Ordnung.”
Merkt Barres an, während er aus seiner Jacke schlüpft.
“Sie müssen den Sonnenschutz herunterfahren, sonst wird das nicht viel bringen, mit der Klimaanlage.”
Erklärt die Audiatorin.
“Sie sind nicht mehr im Raumhafen, das ist die Erdensonne durch eine echte Atmosphäre gefiltert. Wir werden uns auch noch einen ausreichenden Sonnenschutz besorgen müssen. Besonders Ihre Haut hat ja noch nie eine echte Sonne gesehen.”
Barres schluckt einmal.
“Warum hört sich das auf einmal alles so drastisch an?”
Ich schüttle nur den Kopf.
“Lassen Sie sich nicht beunruhigen, Sean, Sie werden das überleben, sowie es die Menschen vor uns für Millionen von Jahren ohne Hilfsmittel auch überlebt haben.”
Die Audiatorin rümpft nur die Nase.
“Aber es war kein schönes Leben.”
Wir düsen mit unserem Taxi über den Wüstensand die Küste entlang und ich komme nicht umhin immer wieder Zeltlager auf weiter entfernten Dünen zu bemerken mit überraschend aufwändigen Aufbauten.
“Was ist das dort?”
Frage ich, an unseren Fahrer gerichtet.
“Meine Arbeitsgarantie.”
Ich runzle die Stirn.
“Wieso?”
“Die Armee von Jerusalem. Extremisten, die nichts besseres zu tun haben als alles was über ihren Köpfen fliegt abzuknallen. Sie werden auch in Bethlehem auf einige von ihnen treffen, sein Sie darauf gefasst.”
“Was ist der Grund für diese Organisation?”
Bohrt die Audiatorin nach.
“Sie kennen Jerusalem?”
Die Professorin nickt.
“Dann haben Sie Ihre Antwort.”
“Ist es eine bestimmte religiöse Strömung?”
Der Taxifahrer schüttelt den Kopf.
“Religion hat in Jerusalem schon seit Jahrhunderten keine Rolle mehr gespielt, es war immer nur ein Vorwand, um einen neuen Konflikt zu schüren und Land zu erobern. Die Armee von Jerusalem hat sich ausschließlich dem Schutz ihres Gebietes und seiner Leute verschrieben.”
Plötzlich hören wir ein Rumpeln aus dem hinteren Teil des Taxis und der Fahrer dreht sich zu uns um.
“Ist noch jemand an Bord?”
Wir schütteln sofort den Kopf.
“Scheiße, schon wieder so ein Parasit. Wir müssen einen Zwischenstopp einlegen.”
“Parasit?”
Meldet sich Barres zu Wort.
“Ein blinder Passagier.”
Oh my.
Wir näher uns einer kleinen Siedlung, nicht weit von der Küste entfernt und landen in einer Halle voll mit Gleitern. Unser Fahrer bittet uns auszusteigen. Er geht zu einem scheinbar Angestellten dieser “Werkstatt” und erklärt etwas ziemlich laut und schnell in einer mir unbekannten Sprache. Der Mann ihm gegenüber nickt und sammelt einige seiner Leute um sich zusammen, ehe sie sich der Heckklappe des Gleiters nähern.
Mit einem Ruck reißen sie die Klappe auf und zielen mit fünf Blastern auf das Innere. Es bleibt ruhig. Einer von den Männern geht auf die Klappe zu und beginnt darin herumzuwühlen.
Plötzlich, ein Aufschrei.
Der Mann packet einen Fuß und zerrt an ihm, bis schließlich eine Person aus dem Heckraum des Gleiters fällt.
“Ein Melranier?”
Barres runzelt die Stirn.
“Der Melranier.”
Nicke ich meinem Kollegen zu.
Der Fahrer stellt sich neben uns.
“Sie werden den Parasiten jetzt eliminieren, das soll nur eine Vorwarnung sein, falls ihr das nicht sehen könnt.”
Ich schüttle sofort den Kopf.
“Was ‘eliminieren’? Sie können nicht einfach einen Mann hinrichten, ohne ein Verfahren!”
“Hier gelten andere Gesetze, das hier sind die Ostwüsten.”
Mein Griff um meinen Stock verkrampft sich und plötzlich werde ich von schwarzer Nacht ummantelt.
Geflüster wie aus dutzend vertrockneten Kehlen dringt mit einem Mal an mich heran.
Oh nein.
Nicht schon wieder.
“Herr Kant, lassen Sie mich Ihnen ein Angebot unterbreiten.”
“Welches Angebot?”
“Ich frage mich, warum ein schwarzer Engel wie ich mit so außergewöhnlichen Fähigkeiten nicht mit einem Mann von Ihrem Kaliber kooperieren kann?”
“Was meinst du mit ‘meinem Kaliber’?”
“Die Echos, Naldor, die Echo Echo Echo Echos…”
“Wie soll dir das helfen? Ohne meinen Gehstock helfen sie nicht mal mir.”
Ein trockenes Lachen hallt durch den schwarzen Raum.
“Ich kann mich an ihnen laben. Ich kann jedem Nachhall und jedem Überrest einen Happen abringen und ihn verzehren. Es ist wie ein Festmahl ohne Grenzen und es kommt auch niemand zu Schaden. Sie müssen mich nur gewähren lassen.”
“Und im Austausch?”
“Offeriere ich Ihnen meine Macht.”
“Was bedeutet das?”
“Der Melranier muss nicht sterben. Nicht heute.”