Wie jede gute Geschichte beginnt auch diese in einem kleinen, idyllischen Dorf auf Terra. Dort wo sich die Berge in stillen Seen spiegeln und die einsamen Wölkchen wandernde Schatten auf das grünste Gras werfen. Dort beginnt sie. In diesem kleinen Dorf lebt ein kleiner Junge, der es liebt, mit seinen Freunden die Gegend um das Dorf herum zu erkunden. Egal, wie oft ihm seine Eltern sagen, dass er es lassen solle, weil es ja so gefährlich sei. Der Junge macht es trotzdem. An einem Abend im Herbst, als die Sonne unerwartet früh untergeht, ist der Junge noch in einem Wald nahe des Dorfes. Das rote Licht des sterbenden Sterns greift wie ein letzter, verzweifelter Hilferuf durch das Geäst ehe die Welt in Dunkelheit versinkt. Die Eltern des Jungen werden ungeduldig, denn es ist dunkel und ihr Kind nicht zu Hause. Sie beginnen, im Dorf herumzufragen und die Freunde des Jungen, die allesamt bereits daheim waren, verrieten ihnen seinen letzten bekannten Aufenthaltsort. Eine Gruppe an Freiwilligen macht sich in der alles verschluckenden Finsternis auf die Suche nach dem Jungen. Stunden vergehen und der Höhepunkt der Nacht ist eingetreten. Die Freiwilligen laufen durch den Wald, den Namen des Jungen rufend. Manchmal glauben sie, eine Gestalt zu sehen, doch es sind nur die Schatten des flackernden Fackellichts. Da hören die Eltern ein ganz leises Wimmern und Schluchzen und sie wissen, es kann nur der verloren gegangene Sohn sein. Sie rufen lauter nach ihm und zwischen den Lauten der Verzweiflung pressen sich die Namen der Eltern durch die Luft. Voller Zielstrebigkeit laufen sie der Gruppe an Freiwilligen voraus, ihrem Sohn entgegen. Die Freiwilligen folgen verwundert, denn sie hören nichts. Die Eltern werden immer schneller. Ihre Schritte hastiger. Ihre Rufe lauter. Ihre Freude und ihre Hoffnung größer. Sie laufen so schnell, dass die restliche Gruppe den Anschluss verliert und beginnt nach den Eltern zu rufen. Sie sollen warten. Aber die Eltern sind bereits weg. In der finstersten Nacht, geblendet von der Hoffnung und der Liebe, stoßen sie endlich auf ihren Sohn. Er sitzt mittig auf einem großen, flachen Stein. Hinter ihm eine schwarze Öffnung in eine Höhle. Der Mond ist nicht zu sehen und spendet kein kaltes Licht, aber der Junge ist gut sichtbar im dumpfen Licht der Fackeln seiner Eltern. Es ist plötzlich vollkommen still. Selbst der Wald traut sich nicht zu Rauschen. Die Eltern, beide Tränen in den Augen und die Mundwinkel zu einem skeptischen Lächeln verzogen, nähern sich ihrem geliebten Sohn. Dieser starrt auf den Stein, auf dem er sitzt. Als seine Eltern direkt vor ihm stehen und sich langsam bücken, um seinen Kopf zu heben und ihm in die Augen zu schauen, steht er auf. Seine Augen sind versiegelt. Dort wo einst Lider waren, ist jetzt nur noch blutverkrustete, von Eiter triefende, wunde Haut. Sein Mund ist geschlossen, denn er spricht nicht damit. Seine Brust beginnt zu vibrieren, und seine Eltern erstarren, als eine Stimme, so tief, wie die Nacht schwarz, ihre Seelen zum Bersten bringt. Der Brustkorb des kleinen Jungen reißt in der Mitte auf und das Brustbein presst sich aus der dunklen Wunde, getragen vom unschuldigen Blut eines Kindes. Die Öffnung wird immer größer und die Rippen richten sich nach vorne, währen sie wachsen und immer mehr an die Fingernägel einer Hexe erinnern. Da stürzt sich der Junge nach vorne, auf seine Eltern, sodass seine Rippen deren Herzen durchbohren. Mit röchelnden Geräuschen wird deren Blut aus ihren leblosen Körpern gezogen, direkt in eine Auswucherung am Rücken des Jungen, der einer Spinne mit ihrem prallen Hinterteil nicht unähnlich auf den Leichen seiner Eltern liegt und sich an deren Blut labt. Stunden später, trifft die restliche Gruppe an ebenjenen Ort ein, an dem zwei blutleere menschliche Körper auf einem großen, flachen Stein liegen. Dahinter ein mit Geflechten und Moosen bewachsener Felsen. Bis ins Mark erschüttert begraben sie die Leichen an Ort und Stelle, um keine bösen Geister ins Dorf zu bringen. Sie wissen nicht, dass ein kleiner Junge mit kleiner werdendem Buckel am Rücken und fehlendem Brustbein durch die Wildnis wandert, auf der Suche nach der nächsten einsamen Hütte im Wald. Nach dem nächsten idyllischen kleinen Dorf. Schon bald wird man beginnen, sich Geschichten über ihn zu erzählen und so wird er bekannt werden unter dem Namen Anclesior.